Dienstag, 12. August 2008

Sicherheits-Kurs Teil 1

Zwei Tage Sicherheitskurs liegen nun hinter mir, in denen uns beigebracht wurde, wir wir uns gegen die Arktis mit ihren wilden Tieren, namentlich seien erwähnt der Eisbär und für Boote das Walroß, und dem rauhen, kalten Klima zu schützen und zu verteidigen.
Fotos gibt es leider keine, da ich die ganze Zeit beschäfftigt war andere Dinge zu tun und ich den Fotoapparat einfach vergessen hab.
Am Montag ging es los mit Verhalten und Vorbereitungen für einen Bootstrip mit großen (Forschungs-)Schiffen und kleinen Schlauchbooten (Zodiacs). Erste Regel dabei ist in kleinen Schiffen einen Überlebensanzug zu verwenden, mit dem man unter Umständen bis zu 17 Stunden im Polarmeer umhertreiben kann und immer noch kein Eisblock geworden ist. Um uns von ihrer Wasserdichtigkeit zu überzeugen, sind wir damit ein bisschen im Meer umhergeschwommen und hatten dabei eine Menge Spaß. Erfroren ist auch keiner. Nur einige sind ein bisschen Nass geworden, da das Ausleihobjekt wohl schon bessere Tage und die große Welt gesehen, bzw. viele unbedarfte Studenten damit im Wasser geplanscht haben. Darin fühlt man sich wie ein Michelinmännchen und um besser schwimmen zu können, sollte vorher auf jeden Fall die Luft aus dem Anzug gepresst werden.
Nach einer kurzen Mittagspause gings dann zum wohl wichtigsten Punkt der Sicherheitsausbildung, der Theorie darüber wie man am besten einem Eisbären aus dem Weg geht oder ihn im Notfall zu erlegen hat. Dabei ist zu beachten, das die Tötung eines Eisbären aus einer größeren Dinstanz (ab ca. 60m!!) keinesfalls Selbstverteidigung sondern Jagen ist, und dafür muss man nicht wenig blechen, da der Eisbär unter Naturschutz steht. Erste Regel ist ganz klar dem Eisbären aus dem Weg zu gehen. Wenn man keinem Eisbären begegnet, kann auch nichts passieren. Dennoch ist es geboten sich auf eine Begegnung mit unserem netten Gefährten vorzubereiten. Daher ist es quasi Pflicht außerhalb Longyearbyens eine Waffe mit sich zu führen und tatsächlich sind bewaffnete Menschen keine Seltenheit. Da die Bank kein Schließfach für diese Waffen hat, darf man sie entladen und ohne Bolzen mit in diese nehmen und am Eingang gut sichtbar für einen selbst und die Angestellten abstellen. Es ist wohl die einzige Bank der Welt.... Davon wir aber eher selten Gebrauch gemacht. Viele andere Geschäfte haben Schließfächer. Dennonch ist Longyearbyen selbst sicher :-D
Wenn man sich draußen in der Wildnis befindet und den ehemals süßen Knut und Flocke begegnet, gilt es sich davon zu stehlen, wenn er einen noch nicht entdeckt hat. Andernfalls gilt es Lärm zu machen und in wenn möglich auf diese Weise zu vertreiben. Hilft dieses nicht gibt es noch die Signalpistole mit Licht und lauten Knall, will er dann immer noch nicht weg, sind größere Probleme zu erwarten und es gilt sich darauf vorzubereiten den armen Kerl zu Erlegen, wenn er zu nahe kommt (ca. 40m). Dies ist wohl einfacher gesagt als getan, wenn ein großes weißes Monster auf dich zugerannt kommt. Aber dafür haben wir ja Schießen geübt. 16 Schuss in drei verschiedenen Stellungen (liegend, knieend, stehend). Ich war gar nicht so unerfolgreich und hab den Zielscheiben Eisbären immer getroffen, ob er in wirklichkeit gestorben wäre ist eine andere Frage...
Nun wissen wir, wie man einen Eisbären vetreibt, nur wenn man schläft, wird man ihn schwerlich sehen können. Selbstverständlich kann man sich auch dagegen verteidigen, in dem man einen Stolperdraht um sein Camp aufspannt. Läuft der Eisbär hinein, gehen laute Feuerwerkskörper in die Luft und man selbst ist wach und der Eisbär läuft hoffentlich weg, wenn nicht -- darüber mach ich mir noch keine Gedanken, aber die Waffe liegt ja neben mir oder einem Kollegen...
Damit der Eisbär einen nicht überrascht geht man im Camp auch zu zweit auf Klo, damit der andere einen stets bewachen kann.
Um sich gegen den niedlichen kleinen Eisbären zu verteidigen, muss also eine Menge beachtet werden. Er ist nämlich ein schlaues kleines Biest, der schon unter Stolperdrähten hindurchgeschlüpft oder drübergesprungen ist oder er erkennt ob einem die Angst ins Gesicht geschrieben ist. Weglaufen ist keine gute Idee, denn er ist schneller als du und außerdem bist du dann Beute. Er neigt dazu immer zu "lächeln" und zeigt nicht wann er angreift.
Am besten ist es also keinem zu begegnen... Dennoch war der Eisbär vor uns da und ist ein gleichberechtigter Bewohner der Arktis, weshalb die Regelung über die Erlaubnis zum Abschuss eines Eisbären sehr streng ist. Nur in Selbstverteidigung darf Geschossen werden und das sind 30-40m Abstand!!! Ich möchte im Feld keinem begegnen , aber vielleicht sieht man ja einen vom Schiff aus.
Damit ihr keine Angst vor einem Besuch habt: die Wahrscheinlichkeit einen in der Umgebung von Longyearbyen zu sehen ist eher klein und ich weiß ja wie man ihn vetreiben kann.
Am nächsten Tag sollte es weiter gehen, aber dazu später mehr. Ich hoffe es war nicht zu langweilig, soviel Text und keine Bilder und Eisbären sind gar nicht so böse :-D

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